Wie ich mich vor dreckiger Luft schützen kann – Nachrichten – WDR

Wie ich mich vor dreckiger Luft schützen kann - Nachrichten - WDR

Station zur Messung der Luftqualität in Oberhausen

Feinstaub in NRW: Wie ich mich vor dreckiger Luft schützen kann

Stand: 11.02.2026, 16:03 Uhr

Feinstaub ist eine große Gefahr für die Gesundheit. Die Luft in NRW ist besonders stark belastet. Wie ich mich vor dreckiger Luft schützen kann.

Von Ingo Neumayer

Feinstaub kann man nicht sehen, riechen oder schmecken. Und womöglich ist das der Grund, wieso es immer noch Menschen gibt, die die Gefahren durch dreckige Luft nicht richtig ernst nehmen. Dabei sterben laut der Europäischen Umweltagentur EUA jedes Jahr zehntausende Menschen in Deutschland an den Folgen von Luftverschmutzung durch Feinstaub.

Als besonders gesundheitsschädlich gilt PM2,5-Feinstaub. Diese kleinen Partikel mit einem Durchmesser von weniger als 2,5 Mikrometern können beim Einatmen tief in die Lunge und von dort aus auch in den Blutkreislauf gelangen. Sie können Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen wie Asthma und Lungenkrebs verursachen. Aber auch größere PM10-Partikel, Stickstoffdioxid (NO2), das im Dieselabgas enthalten ist, sowie bodennahes Ozon (O3) sind verantwortlich für mehrere tausend Tote und Kranke im Jahr.

Neue Grenzwerte: NRW hat die meisten Orte mit dreckiger Luft

WDR Studios NRW
11.02.2026
01:04 Min.
Verfügbar bis 11.02.2028
WDR Online

Ab 2030 gelten strengere Grenzwerte in der EU

Laut EUA ist die Anzahl der Todesfälle durch PM2,5-Feinstaub zwischen 2005 und 2023 zwar um 57 Prozent gesunken. Die Luftschutzmaßnahmen wirken offenbar aber nicht schnell genug. Daher gelten ab 2030 neue, strengere Grenzwerte in der EU. Statt 25 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel liegt dieser dann für PM2,5-Feinstaub nur noch bei 10 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch für NO2 und für größere Feinstaubpartikel (PM10) gelten dann strengere Vorgaben. Das wird – Stand jetzt – besonders in NRW viele Kommunen treffen.

NRW: Hier gibt es die meisten Orte mit dreckiger Luft

Denn laut Zahlen, die der WDR mit Daten des Umweltbundesamtes errechnet hat, reißen derzeit 68 Prozent der Messstationen in NRW den zukünftigen Grenzwert. Einzelne Stationen in Essen, Dortmund, Düsseldorf, Oberhausen und Wuppertal messen Belastungen, die mehr als 50 Prozent zu hoch sind. Bei PM2.5-Feinstaub überschreiten derzeit 38 Prozent der Stationen die Grenze, bei PM10-Feinstaub acht Prozent. Im Vergleich mit den anderen Bundesländern hat NRW die meisten Orte mit schlechter Luft. An 71 Prozent der Messtationen überschritt mindestens einer der drei kritischen Stoffe die neuen Richtwerte.



Abgase strömen aus Verbrenner-Fahrzeugen

Verkehr ist einer der Hauptverursacher für Feinstaub

Laut EU müssen schon vor dem Stichtag Luftqualitätspläne erstellt werden, in denen mögliche Maßnahmen festgelegt werden, um die Schadstoffbelastung zu senken. Dazu können beispielsweise Tempolimits, gesperrte Fahrspuren oder verbesserte Schutzmaßnahmen bei Bauarbeiten zählen.

Was kann ich konkret tun?

Viele Menschen wollen sich nicht nur auf Behörden und Kommunen verlassen, wenn es um ihre Gesundheit geht. Und tatsächlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, als Individuum dafür zu sorgen, dass die persönliche Feinstaubbelastung sinkt und man möglichst wenig Gesundheitsprobleme davonträgt.

Ein wichtiger Punkt ist Information: Viele Wetter-Apps zeigen die regionale Luftqualität an. Mit der kostenlosen Luftqualität-App des Umweltbundesamts kann man stündlich aktualisierte Werte von mehr als 50 Messtationen in NRW abrufen und sich entsprechende Verhaltenstipps geben lassen. Auch das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW bietet mit luftqualitaet.nrw.de ein Portal mit aktuellen Messwerten.

Gerade bei Tätigkeiten im Freien wie Sport oder Gartenarbeit lohnt sich ein Blick auf die aktuellen Werte. Denn wer sich anstrengt, atmet schneller und tiefer – und sorgt so womöglich dafür, dass mehr Schadstoffe in den Körper gelangen. PM10-Partikel schädigen hauptsächlich die Lunge, die kleineren PM2,5-Partikel schaffen es oft in den Blutkreislauf und können dort unter Umständen Gefäße verstopfen und beispielsweise einen Herzinfarkt verursachen. Also: Sollten die Werte in eurer Region zu hoch sein, verzichtet nach Möglichkeit auf Anstrengungen im Freien. Und wenn das nicht geht, tragt eine FFP2-Maske.

Vorsicht an Haltestellen und Baustellen


Brennende Holzscheite

Feuer ist gemütlich, setzt aber Schadstoffe frei

Es gibt übrigens Orte, an denen die Feinstaubbelastung höher ist als an anderen. Das sind zum einen Baustellen, aber auch größere Haltestellen. Hier bremsen und beschleunigen viele Fahrzeuge und sorgen so für Feinstaub durch Reifenabrieb. Außerdem werden immer noch viele Busse mit Diesel angetrieben, was zu erhöhtem Stickstoffdioxid-Ausstoß führt.

Auch die eigenen Konsumentscheidungen können helfen, Feinstaub in eurem Umfeld zu reduzieren. Mit dem Rauchen aufhören, keine Böller mehr an Silvester zünden, den alten, klapprigen Diesel verschrotten, den qualmenden Kaminofen stillegen, kein Holz und Laub im Garten verbrennen, öfter mal das Auto stehen lassen: Möglichkeiten gibt es viele. Ob sie auch genutzt werden, muss jede und jeder einzelne selbst entscheiden.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AP
  • Umweltbundesamt
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
  • Europäische Umweltagentur EUA

Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 11.02.2026, 06.00 Uhr

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