Spritpreise: Wann wird das Tanken wieder günstiger? – Nachrichten – WDR

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Ölpreis-Sorgen: Ist der Mini-Aufschwung in Gefahr?

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09.03.2026
36:03 Min.
UT
Verfügbar bis 09.03.2028
WDR
Von Claudia Beucker

Hohe Spritpreise: Wann wird das Tanken wieder günstiger?

Stand: 09.03.2026, 21:20 Uhr

Der Iran-Krieg treibt die Spritpreise nach oben. Welche politischen Optionen es jetzt gibt, um die Preise nach unten zu bekommen.

Von Sabine Meuter

Seit Tagen kennen die Spritpreise nur eine Richtung: sie steigen. Zwei Euro und mehr – so teuer war am Montag an den Tankstellen in NRW Benzin und Diesel. Noch am 1. März hatte der Preise für ein Liter Diesel bei 1,73 Euro gelegen, eine Woche später, liegt er bei durchschnittlich 2,17 Euro pro Liter.


Nicht nur bei Diesel, auch bei Super E5 und Super E10 gab es innerhalb von wenigen Tagen Preissprünge, wie unsere Analyse hier zeigt.

Sperrung der Straße von Hormus entscheidend


Die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer Satellitenaufnahme

Die Straße von Hormus und der Golf von Oman in einer Satellitenaufnahme

Grund für die hohen Preise ist der Iran-Krieg – und damit verbunden die Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Das ist ein zentraler Schifffahrtsweg, über den normalerweise gut ein Fünftel des weltweiten Rohöls transportiert wird. In der Folge der Sperrung kletterte der Preis für die Rohölsorte Brent – am Montag schnellte er über die kritische Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. So hoch war er zuletzt 2022 nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.

Der stark gestiegene Dieselpreis setzt viele Unternehmen auch in NRW unter Druck. Zum Beispiel die Bus-Branche. Ein Reise-Anbieter aus Haltern sieht sich zum Handeln gezwungen und will von seinen Kunden einen Zuschlag.

Auch Handwerksbetriebe setzen die hohen Spritpreise enorm zu, wie Sven Sperlich, Chef einer Sanitär & Heizungsfirma in Erkrath, dem WDR sagte. Viele Kunden beschwerten sich schon über die Anfahrtskostenpauschale. Bei ihm sind das 24 Euro. Der Installateurmeister will sie erst einmal nicht erhöhen, obwohl das für ihn nicht kostendeckend ist.

Wie lange der Krieg im Nahen Osten und damit die Sperrung der Straße von Hormus dauert, ist derzeit unklar. Auch am zehnten Tag des Iran-Kriegs hat es viele Angriffe mit Raketen und Drohnen gegeben. Und: Die Nato hat wieder eine Rakete abgefangen, die wohl aus dem Iran auf die Türkei abgefeuert wurde.


Auch die Heizölpreise steigen

Bedingt durch die hohen Rohölpreise steigen auch die Preise für Heizöl. Nach Angaben des Dienstleisters Tecson kostete am Montag ein Liter Heizöl durchschnittlich 1,55 Euro pro Liter. Dies ist der höchste Stand seit vier Jahren. Vor dem Iran-Krieg lag der Preis unter einem Euro. Anders als beim Tanken von Autos müssen Kunden ihre Tanks aber nicht unbedingt sofort füllen. Und: Die Heizölsaison nähert sich dem Ende. Das Verbraucherportal Finanztip rät Haushalten, die Preissteigerungen beim Heizöl einfach auszusitzen und die Bestellung zu verschieben.

Bei zwei Euro Spritkosten sind fast die Hälfte Steuern

Das geht beim Betanken von Autos natürlich nicht. Viele müssen also die Preissteigerungen an den Zapfsäulen hinnehmen – und fragen sich, wie sich der Spritpreis überhaupt zusammensetzt. Schließlich sind die Spritpreise im benachbarten Ausland wie etwa Belgien deutlich günstiger. Der Grund: Die staatlichen Abgaben wie Steuern sind dort niedriger als bei uns. In Deutschland setzt sich der Spritpreis aus vier Bestandteilen zusammen: Kosten & Gewinn, Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO2-Abgabe.


Auffällig ist: Bei einem Preis von rund zwei Euro pro Liter Sprit landet etwa die Hälfte in die Staatskasse, so die oben gezeigte Analyse des ADAC. Das bedeutet, dass automatisch mehr pro Liter in die Staatskasse fließt, obwohl sich die festen Abgaben nicht verändern. Das zeigt also auch, dass es auf politischer Ebene Möglichkeiten gibt, den Preis zu senken.

Diese Maßnahmen könnten dazu führen, dass die Preise vergleichsweise schnell sinken.

Option 1: Tankrabatt wieder einführen

Die Bundesregierung könnte die Spritpreise mit einem Tankrabatt drücken. Einen solchen Rabatt hatte im Juni 2022 die damalige Ampel-Regierung in der Energiekrise nach Beginn des russischen Angriffs beschlossen: Sie senkte die Energiesteuer auf Kraftstoffe für drei Monate auf das in der EU erlaubte Mindestmaß. 

Inklusive Mehrwertsteuer sank damals die Steuer für Diesel um 16,7 Cent pro Liter, für Superbenzin um 35,2 Cent pro Liter. Dies wurde laut einer Untersuchung des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung im Juni auch “im Wesentlichen” von den Konzernen an die Autofahrer weitergegeben.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wollte sich am Montag nicht darauf festlegen, ob es zu einer Neuauflage des Tankrabatts kommen könnte. Die Regierung beobachte die Preise “sehr intensiv“, sagte er. Das Bundeswirtschaftsministerium und Bundeskartellamt seien auch “in eine Prüfung eingetreten“. Er wolle dem Ergebnis dieser Prüfung nicht vorgreifen.


Handelsexpertin Samina Sultan beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln

Handelsexpertin Samina Sultan beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln

Samina Sultan, expertin für Europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik beim Institut der Deutschen Wirtschaft, hält nichts von einem Tankrabatt. “Er war damals relativ teuer für den deutschen Staat“, sagte sie dem WDR. Sie verwies darauf, dass Deutschland aktuell fiskalisch unter einem ganz anderen Druck sei als damals. Derzeit gebe es die hohen Ausgaben in den Bereichen Verteidigung und Infrastruktur. Der Staat müsse jetzt genau ausloten, ob es sinnvoll sein könnte, bei den hohen Spritpreisen unterstützend einzugreifen.

Option 2: Strategische Ölreserve anzapfen

Ein probates Instrument könnte jetzt koordiniert in den G7-Staaten sein, dass man die strategische Ölreserve anzapft“, sagt Sultan. Das könnte ein Preissignal sein, das auch hierzulande wirken könnte. Aus Sicht von Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) steht ein Rückgriff auf die Ölreserven derzeit noch nicht an. Deutschland ist ihm zufolge allerdings offen dafür, “in einem koordinierten Verfahren zum richtigen Zeitpunkt” auf die nationalen Ölreserven zurückzugreifen.


Die Anlagen der BP Raffinerie in Gelsenkirchen Horst und Scholven leuchten in den Abendstunden

Die Anlagen der BP Raffinerie in Gelsenkirchen Horst und Scholven leuchten in den Abendstunden

Ihre strategischen Ölreserven geben Volkswirtschaften jeweils in Krisensituationen frei, um den Ölmarkt zu stabilisieren oder auf Versorgungsengpässe zu reagieren. Zu diesem Mittel wird selten gegriffen. In Deutschland wurden bisher viermal strategische Ölreserven freigegeben – jeweils auf Grundlage gemeinsamer Beschlüsse der Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA).

Öl-Notreserven im größeren Stil wurden zuletzt im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg im Jahr 2022 freigegeben. Die IEA-Mitglieder hatten zudem während des Golfkriegs 1990/91, nach dem Hurrikan Katrina 2005 und beim Ausfall libyscher Ölexporte 2011 koordiniert Reserven freigegeben. 

Option 3: Europa lässt sich Öl und Gas aus Russland liefern

Russland zeigt sich angesichts der gestiegenen Energiepreise offen für Öl- und Gaslieferungen an europäische Länder. Voraussetzung sei aber eine “langfristige und stabile” Zusammenarbeit, bei der “kein politischer Druck” auf Moskau ausgeübt werde, sagte Kreml-Chef Wladimir Putin am Montag. Er äußerte sich während einer im Fernsehen übertragenen Kabinettssitzung. “Wir sind bereit, mit den Europäern zusammenzuarbeiten, aber wir brauchen Signale von ihnen, dass sie dazu bereit und willens sind.” Allerdings dürfte eine Entscheidung der europäischen Länder für Öl- und Gaslieferungen aus Russland eine außergewöhnliche Änderung der Ukraine-Politik zur Folge haben.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen dpa, AFP
  • Sven Sperlich, Chef einer Sanitär & Heizungsfirma in Erkrath, gegenüber dem WDR
  • Website des Dienstleisters Tecson
  • Samina Sultan, Handelsexpertin beim Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln gegenüber dem WDR
  • ADAC

Sendung: WDR-Fernsehen, Aktuelle Stunde, 09.03.2026, 18.45 Uhr

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