Braucht die Tafel Unterstützung – oder muss sie weg? – Rheinland – Nachrichten – WDR

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Tafeln unter Druck: Brauchen sie Unterstützung – oder müssen sie weg?

03:15 Min.
Verfügbar bis 17.03.2028

Tafel unter Druck: Braucht die Tafel Unterstützung oder muss sie weg?

Stand: 19.03.2026, 06:08 Uhr

Die Tafeln versorgen in NRW nach eigenen Angaben bis zu 400.000 bedürftige Menschen mit Lebensmitteln. Doch sie stehen selbst unter Druck. In Moers zum Beispiel läuft der Mietvertrag der Tafel aus. Wie kann Hilfe für die Tafeln aussehen? Und ist sie überhaupt nötig? Darüber wollen wir heute beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch in Moers diskutieren.

Von Kai Toss

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Das Anstehen hat sich für Dieter gelohnt. Drei Stunden hat der 73-jährige Rentner zusammen mit rund 50 weiteren Menschen gewartet, bis die Moerser Tafel ihre Türen öffnet. Heute gibt es Toastbrot, grünen Spargel, einen ganzen Sellerie. Und Dieters Highlight des Tages: kleine Salami-Würstchen.


Ein Mann steht draußen in einer Warteschlange, schaut an der Kamera vorbei, er hat eine Mütze auf und trägt Bart

Tafelkunde Dieter steht in der Warteschlange an der Moerser Tafel.

“Die verwöhnen uns hier bei der Tafel und sind immer sehr freundlich”, sagt Dieter. Nach einem Berufsleben in der Gastronomie ist er heute auf Grundsicherung angewiesen. Man merkt: Die Begegnungen und Gespräche beim Tafelbesuch sind für ihn fast genauso wichtig wie die Lebensmittel, die er mit nach Hause nimmt.

Moerser Tafel sucht dringend neue Räume

Die Moerser Tafel versorgt nicht nur rund 2.000 Bedürftige mit Lebensmitteln. Sie ist auch eine logistische Drehscheibe für 14 weitere Tafeln am Niederrhein. Doch der Vermieter hat wegen Eigenbedarfs gekündigt. Die Stadt Moers unterstützt zwar bei der Suche nach neuen Räumen, bislang jedoch ohne Erfolg. “Ich arbeite hier seit 14 Jahren ehrenamtlich. Wenn es keine Lösung gibt, werde ich zurücktreten.”, sagt Tafelchef Raffaele Corda. Man merkt, wie sehr ihn die Situation unter Druck setzt.

“Ich muss mir das nicht mehr antun. Dass ich schlaflose Nächte habe und mir die Sorgen mache.”
Raffaele Corda, Vorsitzender der Moerser Tafel


Ein Mann sitzt vor einem Schreibtisch mit Computerbildschirm, er schaut ernst in die Kamera

Für Raffaele Corda, Vorsitzender der Moerser Tafel, ist die Lage sehr ernst.

Auch anderswo in NRW geraten Tafeln unter Druck: In Düsseldorf wurden der Tafel ebenfalls die Räume gekündigt. In Bonn wird laut Tafel NRW eine Kündigung erwartet.

Wer arm ist, bekommt Geld vom Amt. Sind Tafeln nötig?

Zu den Kritikern des Systems zählt der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Fabian Kessl von der Universität Wuppertal. Er beschäftigt sich wissenschaftlich mit Armut und Sozialpolitik. Kessl hält es für problematisch, dass Bedürftige im Tafelsystem auf Spenden angewiesen sind, ohne ein gesichertes Recht darauf zu haben.

Gleichzeitig stellt sich die Frage: Reicht die staatliche Unterstützung überhaupt aus, um den Lebensunterhalt zu decken? Eine alleinstehende Person muss laut NRW-Sozialministerium mit insgesamt 563 Euro Bürgergeld im Monat auskommen

Minister Laumann: “Tafeln stehen für Barmherzigkeit”


Lebensmittel stapeln sich auf einem Tisch. Menschen stehen für die Lebensmittel Schlange. Eine Frau von der Tafel schaut in die Kamera

Rein rechnerisch stehen Bürgergeld-Empfängern rund 195 Euro pro Monat für Lebensmittel zur Verfügung – das sind rund 6,50 Euro pro Tag. Das sei “knapp bemessen, stellt aber ein ausreichendes Existenzminimum dar”, heißt es aus dem NRW-Sozialministerium.

Trotzdem unterstützt das Land NRW die Tafeln mit rund 1,6 Millionen Euro jährlich. Sozialminister Karl-Josef Laumann sagt dazu: “Neben einem Rechtsanspruch auf soziale Leistungen brauchen wir in unserer Gesellschaft aber auch Barmherzigkeit – und die Tafeln stehen genau für diese Barmherzigkeit.”

Tafeln unter Druck: Brauchen sie Unterstützung – oder müssen sie weg?

WDR Studios NRW
17.03.2026
01:54 Min.
Verfügbar bis 16.03.2028
WDR Online

WDR Lokalzeit Stadtgespräch heute Abend in Moers

Welche Rolle sollen die Tafeln künftig spielen? Sollte unsere Gesellschaft alles dafür tun, dass sie irgendwann überflüssig werden? Reicht die staatliche Unterstützung schon heute aus? Oder brauchen die 173 Tafeln in NRW mehr Hilfe durch öffentliche Gelder?

Schreibt uns eure Meinung – direkt in die Kommentare auf wdr.de oder per Mail an stadtgespraech@wdr.de.

Über das Thema diskutieren wir heute (19. März) beim WDR Lokalzeit Stadtgespräch um 20 Uhr im Gebäude der Moerser Tafel, Wittfeldstr. 51/ Ecke Berwerkstr. in 47445 Moers – und live bei WDR 5. Eure Fragen und Anregungen nehmen wir mit in die Diskussion. Gerne könnt ihr auch vor Ort einbringen und mitdiskutieren.

Unsere Quellen:

  • Interview mit Petra Jung, Tafel NRW
  • Interviews mit Mitarbeitern der Moerser Tafel
  • Interview mit Prof. Dr. Fabian Kessl
  • Interview mit Prof. Dr. Holger Schoneville
  • Schriftliche Antworten vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 17.03.2026, 19.30 Uhr

Kommentare zum Thema

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149 Kommentare



  • 149

    Friedhelm Halbach


    18.03.2026, 20:24 Uhr

    Wenn der Staat etwas mehr gegen Armut und Obdachlosigkeit täte, wären die Tafeln überflüssig. Andererseits machen unsere ca. 70 Mitarbeitenden die ehrenamtliche Tätigkeit gerne. Wir freuen uns sehr oft über ein Dankeschön und unsere Kundinnen ind Kunden freuen sich über soziale Kontakte und über Lebensmittel, die sie sich normalerweise nicht leisten könnten. Ich denke, dass sich an der Situation nichts gravierendes ändern wird und wir unser Ehrenamt noch lange ausführen dürfen.


  • 148

    Stebe


    18.03.2026, 18:35 Uhr

    Natürlich müssen diese Institutionen unterstützt werden. Traurig genug das es in Deutschland diese Armut gibt und darum diskutiert werden muss.
    Ein großes Danke gilt auch den
    Ehrenamtlichen, ohne diese Fleißigen wäre Menschen sähe es in Deutschland noch trauriger aus.
    Schlimme Zeiten, Hauptsache der Beamtenapparat kommt nicht zu kurz…


  • 147

    Willi


    18.03.2026, 18:19 Uhr

    Die Tafeln sind dringend notwendig. Wenn ich auf der Strasse ältere Menschen Pfandflasch sammeln sehe, dann bin ich froh dass es Ehrenamtliche gibt die für viele Menschen dise Arbeit machen. Den ganzen Helfer kann man nicht genug danken


  • 146

    Anonym


    18.03.2026, 17:31 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er gegen unsere Netiquette verstößt. (die Redaktion)


  • 145

    Deppner


    18.03.2026, 17:03 Uhr

    Wenn es keinen Bedarf gäbe, gäbe es keine Tafeln mehr….
    Jeder , der sie nicht in Anspruch nehmen muss, sollte froh sein !
    Schön , dass es euch gibt !!!
    Bitte weitermachen


  • 144

    Ella


    18.03.2026, 15:40 Uhr

    Tafeln sind überlebenswichtig.
    Was mich schon immer stört: Die ehrenamtliche Organisation. Berechtigungsscheine gibt es vom Amt, die Arbeit machen die Vereine.
    Für Bedürftige in Deutschland, die nicht über den Monat kommen, sollte es allgemeine vergünstigte Einkaufsmöglichkeiten geben.
    Die Tafeln dagegen sollten allen offenstehen, die Mitglied im Verein sind, ehrenamtlich einsammeln und ausgeben. So vermeidet man auch ein Stigma.


  • 143

    Lars


    18.03.2026, 13:56 Uhr

    Ja wir brauchen sowas leider, weil der Staat einem ja freundlicherweise so viel vom Brutto wegnimmt das man oftmals kaum noch was zum leben hat, mieten explodieren und wie jetzt auch die Spritpreise werden sich langfristig auch wieder auf die Preise des alltäglichen Lebens umschlagen. Andererseits muss ich aber auch sagen sollte man flächendeckend Kochkurse anbieten denn viele sind heute nicht mehr in der Lage vernünftig zu kochen, so kann ein einfacher Eintopf der vielleicht max 10 euro kostet mehrere Personen für 2 tage oder auch mehr satt machen….


  • 142

    Raimund Barkam


    18.03.2026, 13:12 Uhr

    Seit Anfang März 2001 arbeite ich in einer W(erkstatt) f(ür) b(ehinderte) M(enschen) nach Paragraph 223 (SGB) IX (Anrechnungsmöglichkeit auf Ausgleichsabgaben) für Behörden und Werkstätten des 1., freien und sozialen Arbeitsmarktes.
    Bei einem Bruttolohn von unter 300 € im Monat für eine 30 Stundenwoche im Arbeitsbereich ‘3D-Druck’ und ‘Mediengestaltung’ bin ich trotz EU-Rente und Wohngeld auf den Besuch einer Tafel in meiner Geburts- und Heimatstadt Münster (Westf.) einmal am Dienstag angewiesen, als gelernter Bürokaufmann mit Realschulabschluss.
    Ohne die Tafel könnte ich trotz Arbeit in der WfbM nicht klar kommen.
    Als Mensch mit körperlicher Behinderung (GdB50) ist und war es schwer einen Arbeitsplatz auf dem 1., freien und sozialen Arbeitsmarkt zu finden und lange dann halten zu können.
    Die Arbeiten in den WfbM sind mittlerweile sehr interessant. Mit meinen Online-Co-Autoren konnte ich ein Onlinebuch in der WfbM entwickeln und seit 12 Jahren schreiben.


  • 141

    Miri


    18.03.2026, 12:17 Uhr

    Es isz gut und nötig dsss es Tafeln gibt. Sozialpolitik wird immer nur als Belastung gesehen Wenn man überlegt seit 2 Jahre 0 runde. Aber Fahrkarze Teure, Energie Teurer das passt alles nicht. Dann bleibt auch keine 195 Euro für Lebensmittel. Der Rest mus irgendwoher kommen. Soziale Teilhabe kann keine Rede sein alles nur theoritisch ohne Bezug auf wirklichkeit. Wie wäre es mit Nullrunden beim Politiker?


  • 140

    Pascal Baumgarten


    18.03.2026, 11:12 Uhr

    Brauchen wir die Tafel? Lebt ihr in einer Parallelwelt? Macht mal die Augen auf, dann beantwortet sich die Frage von selber…


  • 139

    Randnotiz Hildesheim


    18.03.2026, 11:00 Uhr

    Das Geschäftsmodell Tafeln kann weg, weil es Menschen auf mehrfachen Ebenen in Abhängigkeiten hält.
    Es ist sehr schade das Kommentare mit sachlicher Kritik am System Tafel und deren Profiteure nicht veröffentlicht werden.
    Es ist sehr schade das Kommentare mit tatsächlichen Inhalten über Abhängigkeiten, verfehlter Sozialpolitik und der Profiteure dieser Tatsachen nicht veröffentlicht werden, obwohl damit zur die zur Diskussion über Nachhaltigkeit, Ehrlichkeit und tatsächlicher Solidarität einladen.
    Das fühlt sich extrem schlecht an und spielt den Rechtsextremen in die Karten, denn diese können Ihre Botschaften ungehindert in Kommentaren transportieren, ohne das diese auffallen, weil Sie hinter Codewörter und Chiffren versteckt kommuniziert werden.

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