Alkoholverbote in NRW-Innenstädten: Nutzen und Probleme – Nachrichten – WDR

Alkoholverbote in NRW-Innenstädten: Nutzen und Probleme - Nachrichten - WDR

Alkoholverbot in Troisdorfer Innenstadt | WDR Aktuell

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02:02 Min.
Verfügbar bis 14.04.2028

Alkoholverbote für NRW-Innenstädte: Eine sinnvolle Maßnahme?

Stand:

In Troisdorf wird über ein Alkoholverbot für die Innenstadt diskutiert. In anderen Städten in NRW gibt das schon seit Langem. Was Alkoholverbote im öffentlichen Raum so heikel macht – und was sie am Ende bringen.

Von Jörn SeidelJörn Seidel

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Zerbrochene Flaschen auf dem Gehweg, laute Pöbeleien auf öffentlichen Plätzen, der Geruch von Urin und Erbrochenem in Hauseingängen, Aggression, Gewalt und Sachbeschädigung: In vielen Innenstädten in Nordrhein‑Westfalen ist das Alltag – oft im Zusammenhang mit Alkoholkonsum.

Alkoholverbot für die Innenstadt von Troisdorf?

Passanten fühlen sich dadurch unwohl und bedroht. Gewerbetreibende berichten von ausbleibender Kundschaft. So manche Kommune in NRW setzt daher auf ein Alkoholverbot für öffentliche Orte. Nun soll auch Troisdorf eines bekommen.

Am Dienstagabend (14. April) diskutiert der Rat der Stadt Troisdorf über ein “Alkoholkonsumverbot” in der Innenstadt. “Ohne ein weiteres und umfangreiches ordnungsbehördliches Eingreifen besteht die Gefahr, dass die Innenstadt und die Fußgängerzone weiter an Attraktivität verlieren”, heißt es in der Beschlussvorlage. Und weiter:

“Dies würde zu Geschäftsaufgaben und letztlich einem Niedergang der Innenstadt führen.”
Stadt Troisdorf, Beschlussvorlage

Alkoholverbote beschränken die Handlungsfreiheit

In Außenbereichen von Gastronomien sowie auf Weihnachtsmärkten und anderen Festen dürfte trotzdem ausgeschenkt werden. In einigen Städten in NRW haben solche Verbote schon seit Langem Bestand.

Aktuelle Alkoholverbote in NRW im öffentlichen Raum:

  • Düren: seit 2019 in der Innenstadt
  • Gummersbach: seit 2017 in der ganzen Stadt
  • Krefeld: seit 2023 in großen Teilen der Innenstadt
  • Herzogenrath: seit 2021 im Bereich vor dem Bahnhof
  • Soest: seit 2023 in Bahnhofsnähe
  • Köln: seit 2025 spätabends und nachts auf dem Brüsseler Platz und in den angrenzenden Straßen

Schild zeigt Alkoholverbot von 22-6 Uhr am Brüsseler Platz

Alkoholverbotsschild am Brüsseler Platz in Köln

Dabei geht es nicht um Alkoholverbote, die beispielsweise nur für einzelne Veranstaltungen gelten, oder wie die Deutsche Bahn sie für ihre Bahnhöfe erlassen hat. Es geht um Verbote im öffentlichen Raum, die monatelang oder sogar unbegrenzt gelten.

Das Heikle an einem solchen Verbot: Es ist ein Eingriff in unsere Handlungsfreiheit. Das Grundgesetz garantiert in Artikel 2 Absatz 1: “Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.” Daher wurden in der Vergangenheit schon zahlreiche Alkoholverbote gerichtlich gekippt.

So etwa das Verbot, das die Stadt Duisburg 2017 für ein halbes Jahr erlassen hatte. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf bemängelte, dass die zugrunde liegenden Daten nicht ausreichend belastbar seien, um ein solches Verbot zu begründen. Der bloße Konsum von Alkohol stelle keine abstrakte Gefahr dar, so die Richter.

Gerichte verlangen gute Begründungen für Alkoholverbote

Ähnlich äußerte sich das Oberlandesgericht Hamm in einem früheren Fall: In der Rechtsprechung sei “anerkannt, dass ein generelles Alkoholverbot polizeirechtlich nur zulässig ist, wenn hinreichende Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass das verbotene Verhalten, mithin der Konsum von Alkohol, regelmäßig und typischerweise zum Eintritt von Schäden, etwa in Folge von alkoholbedingten Gewaltdelikten, führt”.

Grundlegend für ein solches Verbot seien vier Anforderungen, heißt es in einem Dossier mit dem Titel “Rechtliche Handlungsspielräume der kommunalen Alkohol-Verhältnisprävention”, das die in Köln ansässige Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung herausgegeben hat:

  • Das Alkoholverbot braucht einen legitimen Zweck. In Köln zum Beispiel soll es nächtliche Ruhestörung verhindern.
  • Das Alkoholverbot muss geeignet sein, das Ziel zu verfolgen. Zum Beispiel lässt sich mit einem Alkoholverbot gewiss kein Falschparken verhindern.
  • Das Verbot muss tatsächlich erforderlich sein, weil es keine schonenderen Alternativen gibt. Die Stadt Troisdorf argumentiert zum Beispiel, dass Ansprachen von Ordnungsamtsmitarbeitern und Streetworkern erfolglos geblieben sind.
  • Die Zweck-Mittel-Relation muss gewahrt werden – das Verbot muss angemessen sein. Es dürfe also nicht “mit Kanonen auf Spatzen geschossen” werden, heißt es in dem Dossier.

Die Stadt Troisdorf nennt als Zweck für das geplante Alkoholverbot vielerlei: zum Beispiel Pöbeleien, Lärm, Verunreinigungen, ein erhöhtes Aggressionspotenzial, verängstigte Kunden und finanzielle Verluste der Gewerbetreibenden. Verantwortlich dafür seien “im Wesentlichen zwei Störergruppen”: tagsüber Abhängigkeitserkrankte und Obdachlose sowie abends Jugendliche.

Wirksamkeit von Alkoholverboten umstritten

Kann ein Alkoholverbot wirklich solche Probleme in den Innenstädten lösen? Nach Ansicht von Thomas Blumenhoven, Sprecher der Stadt Herzogenrath, ist es zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. “Es ist gut, dass es da ist”, sagte er am Dienstag dem WDR. “Dann hat man eine Handhabe und kann zum Beispiel Platzverweise ausstellen.”

In Düren wurde das Alkoholkonsumverbot 2019 nach den ersten fünf Monaten ausgewertet. Die Stadt kam zum Ergebnis: Die ordnungsrechtliche Lage in der Innenstadt hat sich tatsächlich verbessert. Nun gilt das Verbot unbefristet.

Es gibt aber auch Zweifel an der Wirksamkeit von Alkoholverboten. 2012 kam eine australische Studie zu dem Schluss: Alkoholverbote im öffentlichen Raum seien nur begrenzt und überwiegend kurzfristig wirksam. Sie würden zwar in der Regel sichtbaren Alkoholkonsum und damit verbundene Belästigungen reduzieren, aber nicht zu einem nachhaltigen Rückgang von Alkoholproblemen oder alkoholbedingter Gewalt insgesamt führen.

Deutlich wirksamer sind Alkoholverbote laut der Studie dann, wenn sie Teil eines Maßnahmenmixes sind, zum Beispiel kombiniert mit Sozialarbeit, Suchthilfe, Prävention und städtebaulichen oder ordnungspolitischen Maßnahmen.

In Troisdorf soll das geplante Alkoholverbot vorerst bis Ende Oktober gelten. Dann soll auch dort ausgewertet werden, was die Maßnahme bringt. Die Ergebnisse dürften auch in anderen NRW-Städten auf Neugierde stoßen.

Alkoholverbot in Troisdorfer Innenstadt?

WDR Studios NRW
14.04.2026
00:43 Min.
Verfügbar bis 13.04.2028
WDR Online

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 14.04.2026, 12.45 Uhr.

Kommentare zum Thema

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4 Kommentare



  • 4

    Nunc est bibendum


    heute, 17:35 Uhr

    Ich weiß ja nicht. Wenn ich trinke, dann werde ich erst sehr lieb, dann sehr redselig und danach sehr müde – sagt meine Frau.


  • 3

    ein anderer Ansatz


    heute, 17:34 Uhr

    ich erinnere mich, als vor Jahren die Promille-Grenze im Straßenverkehr und darüber hinaus eingeführt wurde – wenn wir vorher mit den Kolleg:innen noch auf ein Bier oder Ähnliches unterwegs waren, sprach nun niemand mehr davon. Das Risiko den Führerschein zu verlieren war zu groß. Mein Ansatz, wenn ich mobil unterwegs bin 0,00 Promille und ich denke dies wird Wirkung zeigen. Und wer darüber hinaus Alkohol trinkt, sollte sich mit seinem Arzt darüber unterhalten. Unabhängig davon wirkt es störend, wenn Alkohol in der Öffentlichkeit getrunken wird – dafür gibt es Gaststätten oder die eigenen 4 Wände


  • 2

    Anna Zimmermann


    heute, 17:28 Uhr

    Den Vorschlag finde ich gut. Besonders von Altweiber bis Aschermittwoch in Köln und Düsseldorf – Viel Spaß bei der Kontrolle.


  • 1

    Martin Schmidt


    heute, 17:27 Uhr

    Verbote dieser Art haben bislang noch nirgendwo geholfen.
    Das Problem wird (Bestenfalls) verlagert.
    Wie wäreves mit einem Verbot vom allgegenwärtigen Alkoholverkauf?
    Kein Supermarkt ohne billige Schnapsflaschen an der Kasse, keine Tankstelle ohne Bier und Wein.
    Das wäre mal ein Ansatz.
    Gute Suchtprävention wäre natürlich besser, aber da will keiner ran. Macht zu viel Arbeit.

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