Bei der Eröffnung eines neuen Milchviehbetriebs zeigte sich Kim Jong-un überraschend kleinlaut. In einer langen Rede sprach er von missglückten Initiativen und kündigte eine „ländliche Revolution“ an. Man müsse sicherstellen, dass die Bevölkerung mit Fleisch und Milch versorgt sei.
Kim streichelte Kühe und fütterte Ziegen
Bei der feierlichen Eröffnung der „Samgwang“-Viehzuchtfarm in der Provinz Nord-Pyongan (Nordkorea, an der Grenze zu China) schaute sich Nordkoreas Machthaber die Ställe an. Der neue Betrieb gilt als Vorzeigeprojekt für die Zukunft der nordkoreanischen Landwirtschaft. Er umfasst moderne Ställe für Rinder und Ziegen, Anlagen zur Herstellung von Tierfutter sowie zur Verarbeitung von Milch, Butter, Käse und Joghurt.
„Versorgung sichern“
In seiner Rede gab sich Kim als großer Kümmerer. Seine Vision sei es, dass künftig nicht nur Kleinkinder, sondern alle Schüler und Einwohner des Landes verlässlich mit Fleisch- und Milchprodukten versorgt werden, wie „NK News“ berichtet. Dies deutet auf eine mögliche Wiederbelebung des öffentlichen Verteilungssystems hin, das in der Vergangenheit oft nur lückenhaft funktionierte. Bereits 2021 hatte er inmitten einer ausgerufenen „Nahrungsmittelkrise“ die Verteilung von Milchprodukten an Schüler angekündigt.
Kim über sich selbst: „Leere Rhetorik und Parolen“
In seiner Rede sprach Kim kritisch über die „jahrhundertelange Rückständigkeit“ vieler ländlicher Gebiete. Das Land sei nicht in der Lage gewesen, die Agrarproduktion nachhaltig zu steigern. Die Viehwirtschaft könne mit ihrer „schwachen Grundlage die qualitative und quantitative Nachfrage nicht befriedigen“. Die schlechte Lage sei zu einem großen Teil auf „leere Rhetorik“ und Parolen zurückzuführen, denen keine Taten folgten – eine ungewohnte Selbstkritik des Diktators. Selbst bisherige Vorzeigeprojekte würden den modernen Standards nicht mehr genügen, so Kim Jong-un.
Farm neuer Standard
Die „Samgwang“-Farm soll nun als „neuer Ausgangspunkt“ dienen und nicht nur ein „Propagandainstrument oder eine Touristenattraktion“ sein. Kim forderte zudem von seinen Funktionären, das massive Stadt-Land-Gefälle zu verringern und die ländlichen Regionen zu modernisieren. Die bisherige Unterstützung sei oft nur „sporadisch, temporär und protzig“ gewesen.
Diktator will die Kluft zwischen Arm und Reich schließen
Die Initiative ist Teil seines Anfang 2024 vorgestellten „20 × 10“-Projekts, das bis 2033 den Bau von Fabriken, Spitälern und Freizeiteinrichtungen in allen über 200 Städten und Landkreisen vorsieht, um die Kluft zwischen Arm und Reich in der Hauptstadt Pjöngjang zu schließen.




