Im Zentrum der Verwirrung steht eine eklatante Diskrepanz: Noch vor wenigen Monaten behauptete US-Präsident Trump medienwirksam, das iranische Atomprogramm im vergangenen Sommer „ausgelöscht“ zu haben. Die angebliche nukleare Bedrohung dient heute jedoch als Hauptargument für neue Militäroperationen. Warum?
Wunderheilung nach „nuklearer Auslöschung“
Sollte der Iran tatsächlich so kurz vor einer eigenen Atombombe stehen, wäre dies eine wundersame Erholung – zumindest wenn man den früheren Worten des Republikaners Glauben schenkt. Unmittelbar nach der gemeinsamen Militäroperation mit Israel am 22. Juni verkündete Trump: „Die wichtigsten Anreicherungsanlagen des Iran wurden vollständig und restlos ausgelöscht.“
Sein Kriegsminister, Pete Hegseth, ging sogar noch weiter und erklärte breitbeinig: „Der nukleare Ehrgeiz des Iran ist damit ausgebremst!“
Diese Siegesrhetorik hielt die US-Regierung monatelang aufrecht, obwohl Berichte basierend auf Geheimdiensterkenntnissen ein anderes Bild zeichneten. Der Angriff warf den Iran Monate – vielleicht sogar Jahre – zurück und schwächte das Regime in Teheran enorm, von einer „Vernichtung aller nuklearen Hoffnungen“ waren die USA aber weit entfernt.
US-Regierung schürt Atompanik
Jetzt will die US-Regierung von dieser Erzählung nichts mehr wissen. Trumps Teilzeit-Außenminister Steve Witkoff ging sogar so weit, dass das angeschlagene Mullah-Regime unmittelbar vor dem nuklearen Vollzug stehe. Der Iran sei „wahrscheinlich eine Woche davon entfernt, waffenfähiges Material in Industriequalität zu besitzen. Das ist brandgefährlich“, erklärte der Sondergesandte jüngst Fox News zur besten Sendezeit. Beweise für seine Behauptung legte er freilich nicht vor.